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Freitag, 22. September 2023

Ingenieurengpass spitzt sich zu – was jetzt dringend notwendig ist

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Düsseldorf (ots) –

„Ohne eine starke Zuwanderung von ausländischen Fachkräften bekommen wir die Lücke auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen nicht mehr geschlossen“, so Dieter Westerkamp, VDI-Bereichsleiter „Technik und Gesellschaft“ zu den Ergebnissen des neuesten Ingenieurmonitors (Quartal IV 2022).

Angesichts 170.300 offener Stellen auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen, spitzt sich die Lage zu. Es fehlen Bauingenieur*innen, Informatiker*innen oder Elektrotechnikingenieur*innen – es fehlt an allen Ecken und Enden. Öffentliche Bauprojekte kommen zum Erliegen oder können gar nicht erst gestartet werden, Digitalisierungsprojekte bleiben auf der Strecke. Kurzum: Die Lage ist prekär.

Im Vorjahresvergleich nahm im vierten Quartal 2022 die Anzahl der offenen Stellen im Ingenieurwesen um 21,6 Prozent zu. „Mit dem demografischen Wandel nimmt die Zahl der Studienanfänger*innen in ingenieurwissenschaftlichen Kernfächern, Maschinenbau oder Elektrotechnik in den letzten Jahren massiv ab.“ Der Fachkräftemangel kann bereits heute nicht annähernd abgedeckt werden und die Situation wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen“, so Dieter Westerkamp. „Im Studienjahr 2016 betrug die Zahl der MINT-Studierenden im ersten Hochschulsemester bundesweit noch rund 143.400 und sank stark auf 125.600 im Studienjahr 2022 ab. In den kommenden Jahren ist folglich mit einem deutlichen Rückgang der Absolventenzahlen zu rechnen“, bekräftigt Prof. Dr. Axel Plünnecke vom IW in Köln diese Entwicklung.

Den Ernst der Lage unterstreicht er so: „Setzt man die Anzahl der offenen Stellen in Bezug zur Zahl der Arbeitslosen, ergibt sich die Engpasskennziffer in Ingenieur- und Informatikerberufen. Im vierten Quartal 2021 kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose noch 387 offene Stellen. Im vierten Quartal 2022 stieg diese Engpasskennziffer auf 471 – ein deutlicher Zuwachs, jedoch eine Engpassrelation unter dem Rekordwert des zweiten Quartals 2022 mit 492. Dabei unterscheiden sich die Engpässe deutlich zwischen den Berufen: die größten Engpässe bestehen bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik, vor den Ingenieurberufen Bau/Vermessung/Gebäudetechnik und Architektur. An dritter Stelle folgen die Informatikerberufe. Auch in allen anderen Ingenieurberufen bestehen im vierten Quartal 2022 Engpässe. Besonders stark sind die Engpässe in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Energie- und Elektrotechnik gestiegen.“

Vor diesem Hintergrund begrüßt Dieter Westerkamp, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Zuwanderungskriterien und die bürokratischen Hemmnisse entschärften will „Es ist ein erster wichtiger Schritt. Deutschland muss sich fit machen für den weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe“, sagt Westerkamp. „Darüber hinaus müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um die internationalen Fachkräfte, die wir mühsam gewonnen haben, auch länger in Deutschland zu halten. Wir müssen eine Willkommenskultur entwickeln,“

Dieter Westerkamp weist darauf hin, dass diese Entwicklung den Technologie- und Innovationsstandort Deutschlands gefährdet. „Nur mit einer qualifizierten Zuwanderung können wir Wohlstand und zukünftiges Leben und Arbeiten in Deutschland sichern.“

Pilot-Projekt in NRW: VDI zeigt konkrete Lösungen

Der VDI mit seiner vielfältigen regionalen Organisation kann für ausländische Ingenieure und Ingenieurinnen eine Heimat sein, in der die Integration dieser Beschäftigtengruppe noch besser gelingen kann. „Wir wollen zeigen, dass das geht und starten mit Unterstützung des Bundearbeitsministeriums in Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt mit drei VDI-Bezirksvereinen, in dem wir bereits in Deutschland befindlichen ausländischen Ingenieur*innen, aber auch Studierenden nachhaltig auf den Weg zu einer ausbildungsadäquaten Beschäftigung in Deutschland bringen wollen.“ Das Pilotprojekt wird als Teilvorhaben des Regionalen Integrationsnetzwerks NRW – West vom Bundesarbeitsministerium im Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) gefördert.

Ziel des Projektes ist es, am Ende einen Werkzeugkoffer geeigneter Maßnahmen zur erfolgreichen Integration ausländischer Ingenieur*innen zur Verfügung zu haben, der es allen VDI-Bezirksvereinen ermöglicht, in diesem Feld aktiv zu sein.

Den aktuellen VDI/IW-Ingenieurmonitor finden Sie hier (https://www.vdi.de/ueber-uns/presse/publikationen/details/vdi-iw-ingenieurmonitor-4-quartal-2022).

Fachlicher Ansprechpartner:

Ingo Rauhut

Geschäftsführer VDI-Fachbeirat Beruf und Arbeitsmarkt

Telefon: +49 211 6214-697

E-Mail: rauhut@vdi.de

VDI als Gestalter der Zukunft

Seit mehr als 165 Jahren gibt der VDI wichtige Impulse für den technischen Fortschritt. Mit seiner einzigartigen Community und seiner enormen Vielfalt ist er Gestalter, Wissensmultiplikator, drittgrößter technischer Regelsetzer und Vermittler zwischen Technik und Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Er motiviert Menschen, die Grenzen des Möglichen zu verschieben, setzt Standards für nachhaltige Innovationen und leistet einen wichtigen Beitrag, um Fortschritt und Wohlstand in Deutschland zu sichern. Der VDI gestaltet die Welt von morgen – als Schnittstelle zwischen Ingenieur*innen, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. In seinem einzigartigen multidisziplinären Netzwerk mit mehr als 135.000 Mitgliedern bündelt er das Wissen und die Kompetenzen, die nötig sind, um den Weg in die Zukunft zu gestalten.

Ihr Ansprechpartner in der VDI-Pressestelle:

Sarah Janczura
Telefon: +49 211 6214-641
E-Mail: presse@vdi.de

Original-Content von: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

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